Glossar

Begriffe · Bedeutungen · Ursprünge

Der Name

Solvero
Latein · eigene Prägung

Vom lateinischen solvere: lösen, befreien, entriegeln, freisprechen. Im klassischen Latein auch: eine Schuld tilgen, Fesseln abnehmen, einen Knoten lösen.

Als Kunstname: derjenige, der loslässt, was sich verknotet hat. Nicht Lösen durch Druck — sondern durch Loslassen. Der Knoten gibt nach, wenn man aufhört, ihn zu zwingen.

White
Englisch · Chinesische Tradition

Die sonnenbeschienene Seite des Berges — Yang. Im buddhistischen Bild: Die Sonne hört nie auf zu scheinen. Es sind die Wolken (Gedanken, Zweifel, Ego), die kommen und gehen. Das Licht ist — immer.

Weiß als Sunyata: nicht Leere als Abwesenheit, sondern als reines Potenzial — die unbeschriebene Seite, die alles tragen kann.

Chinesische & Taoistische Tradition

Yin & Yang
Chinesisch · 陰陽

Wörtlich: der schattige Berghang (Yin) und der sonnenbeschienene Berghang (Yang). Keine Gegensätze — sondern zwei Phasen desselben Flusses, die einander bedingen und erst im Wechsel ein Ganzes bilden.

Schwarz (Yin): Innehalten, Empfangen, Zurücktreten. Weiß (Yang): Vorwärtsgehen, Geben, Handeln. Wie Einatmen und Ausatmen. Weder das eine noch das andere ist besser — beide sind notwendig.

Wu Wei
Chinesisch · 無為

Wörtlich: Nicht-Handeln. Nicht im Sinne von Passivität, sondern von mühelosem Handeln — in Übereinstimmung mit dem natürlichen Fluss. Kein Zwang, kein Kämpfen gegen den Strom.

Wasser ist das Urbild des Wu Wei: Es fließt immer den Weg des geringsten Widerstands — und höhlt dennoch den Stein.

Qigong
Chinesisch · 氣功

Qi: Lebensenergie, Atem, Kraft. Gong: Übung, Praxis. Qigong: die kultivierte Praxis der Lebensenergie durch Atemübungen, achtsame Bewegung und Meditation.

Keine Religion, keine Weltanschauung — eine Praxis. Offen für alle, unabhängig von Herkunft oder Überzeugung.

Tai Chi
Chinesisch · 太極拳

Wörtlich: Taiji Quan — die Faust des höchsten Prinzips. Eine Kampfkunst, die zugleich Meditation in Bewegung ist. Jede Bewegung fließt in die nächste, ohne Unterbrechung — wie Yin in Yang übergeht.

Japanische Tradition

Wabi-Sabi
Japanisch · 侘寂

Wabi: die Schönheit des Einfachen, Bescheidenen, Unvollkommenen. Sabi: die Würde des Alters, die Patina der Zeit, das Vergängliche.

Wabi-Sabi sieht Schönheit dort, wo Perfektion fehlt: in der Rissnarbe eines Teebechers, im Verfall alter Holzbalken, in der unregelmäßigen Form eines Steins. Die Gegenwart des Unvollkommenen macht etwas echt.

Zen
Japanisch · 禅 (Sanskrit: Dhyana)

Vom Sanskrit Dhyana: Versenkung, Meditation. Zen ist keine Lehre — es ist eine Praxis. Direkte Erfahrung statt theoretisches Wissen. Präsenz vor Konzept.

Shoshin (Anfängergeist): Mit den Augen eines Anfängers sehen, auch wenn man vertraut mit etwas ist. Im Anfängergeist gibt es viele Möglichkeiten; im Geist des Experten nur wenige.

Indische & Sanskrit-Tradition

Dharma
Sanskrit · धर्म

Kein direktes deutsches Äquivalent. Umfasst: kosmische Ordnung, persönlicher Lebensweg, Pflicht, das Richtige tun. Jeder Mensch hat ein einzigartiges Dharma — den Weg, der für ihn stimmig ist.

Nicht zu verwechseln mit dogmatischen Regeln. Dharma ist das, was trägt — nicht das, was einengt.

Ahimsa
Sanskrit · अहिंसा

Nicht-Schaden, Gewaltlosigkeit, Mitgefühl. Eines der ältesten ethischen Prinzipien der Menschheit — in Jainismus, Buddhismus und Hinduismus verankert.

Ahimsa beginnt bei sich selbst: Mitgefühl für die eigene Unvollkommenheit, bevor man es für andere aufbringt.

Sunyata
Sanskrit · शूण्यता

Oft übersetzt als "Leerheit" — aber nicht im Sinne von Nichts. Sunyata meint: kein Ding existiert aus sich selbst heraus, unabhängig von allem anderen. Alles ist verbunden, alles ist im Entstehen.

Weiß als Sunyata: nicht Abwesenheit, sondern reines Potenzial. Die leere Leinwand, die alles tragen kann.

Tat tvam asi
Sanskrit · तत् त्वम् असि

"Das bist du." Einer der Mahavakyas — der "großen Sätze" der Upanishaden. Der Kern: Das Bewusstsein im Anderen ist dasselbe wie das Bewusstsein in dir. Trennung ist Illusion.

Maya & Nordische Tradition

In Lak'ech
Maya-Yucatec

"Ich bin ein anderer Du." Traditioneller Maya-Gruß. Die Antwort: A lak'en — "Du bist ein anderes Ich." Eine der schönsten Begegnungsformeln der Menschheit.

Keine bloße Höflichkeit — sondern eine kosmologische Aussage: Im Anderen erkenne ich mich selbst.

Galdrastafir
Isländisch · Altnordisch

Galdr: Zaubergesang, Runenmagie. Stafir: Stäbe, Zeichen. Isländische Runen-Symbole mit magischer Bedeutung — aus dem Mittelalter und der Wikingerzeit überliefert.

Nicht Magie im Sinne von Übernatürlichem — sondern symbolische Sprache, die das Unsichtbare sichtbar macht. Vergleichbar mit Mandala, Yantra, Yin-Yang.